Bericht Hochwasser Hildesheim

Dienstag 01. August 2017

Kreisfeuerwehrbereitschaft Göttingen bei Hochwasserkatastrophe im Einsatz. Gleichener Feuerwehren unterstützen vom 25. bis 28.07.17 im Landkreis Hildesheim

Das Tiefdruckgebiet "Alfred" ließ an 2 Tagen Dauerregen mit ca. 140 Liter pro Quadratmeter über Südniedersachsen abregnen. Am Dienstag, den 25.07.2017 kam es daraufhin im Landkreis Göttingen  zu Überflutungen, verschlammten Straßen und vollgelaufenen Kellern. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz.

Aufgrund eines Hilfegesuchs des Landkreises Hildesheim, wurde am späten Dienstagabend die Kreisfeuerwehrbereitschaft (KFB) des Landkreises Göttingen zur Unterstützung alarmiert.

Erwartet wurde eine Flutwelle der "Innerste", einem aus dem Harz Richtung Hildesheim abfließenden Flusses. Die Pegel der "Innerste" und weiterer Nebenflüsse stiegen bedrohlich schnell an, man musste mit dem Schlimmsten rechnen. 

In Herzberg trafen sich gegen 23:00 Uhr Feuerwehrkolonnen aus allen Richtungen des Landkreises Göttingen, dabei hatte der Landkreis selbst in einigen Orten mit Hochwasser zu kämpfen.

Unter der Leitung von Kreisbrandmeister Volker Keilholz wurde mit 140 Einsatzkräften, davon 38 aus der Gemeinde Gleichen, in den neuen Einsatzraum Bad Salzdetfurth im südlichen Landkreis Hildesheim verlegt und dort bis zum 28.07.2017 im Einsatz waren.  

Die Gleichener und Friedländer Kräfte wurden dem 2. Zug zugeteilt, dazu kam noch ein Tanklöschfahrzeug aus Ebergötzen. Der Zug hatte mit zugeteilten Helfern zeitweise 50 Einsatzkräfte. 

In der Kleinstadt sollte zunächst am frühen Mittwochmorgen ein Kurheim gesichert werden, das durch das Hochwasser bedroht war. Trotz des unermüdlichen Einsatzes mit weiteren Freiwilligen Feuerwehren der 5. Regionsfeuerwehr Hannover und der Unterstützung von zahlreichen freiwilligen Helfern wurde die Altstadt in Bad Salzdetfurth komplett von dem Fluss "Lamme" überflutet.

Es wurde gegen die Fluten gekämpft und man musste doch aufgeben. Das Hochwasser stieg zu schnell an, die eingesetzten Pumpen kamen gegen die Fluten nicht mehr an. Unsere Kräfte sicherten daraufhin alle Hauseingänge der Altstadt mit Sandsäcken. 

Immer wieder wurden unbekannte Rauchentwicklungen gemeldet und Brände vermutet, es stellte sich jedoch bald heraus, dass Wasserdampf infolge kochenden Wassers in den Trafostationen und Hausanschlüssen hierfür ursächlich war.

Inzwischen ist das Wasser dort wieder abgeflossen – und das volle Ausmaß des entstandenen Schadens wurde sichtbar. Zahlreiche Läden sind ruiniert, viele Wohnhäuser kaum noch bewohnbar. Vieles in den Häusern ist von dem brackigen Hochwasser zerstört worden.  

Anschließend wurden durch die KFB Göttingen, 2. Zug, in der Straße "Lammetal" bis in den Abend reihenweise geflutete Keller ausgepumpt und ein Einkaufsmarkt vor der Überflutung gesichert. 

Nach einer kurzen Nacht mit Übernachtung in einer Grundschule wurde dann am Donnerstagmorgen in den Ort Klein Düngen verlegt. Hier verläuft die hochwasserführende "Lamme" durch den Ort, außerdem war in Sichtweite des Dorfes auf 200m Länge ein Damm der "Innerste" gebrochen und hatte die gesamte Umgebung geflutet. Eine Wasserlandschaft war entstanden. Viele Haushalte waren ohne Strom, deshalb Gefriertruhen abgetaut, ohne Kochmöglichkeit, ohne Dusche und ohne Telefon. Das Handynetz gab es nur eingeschränkt oder gar nicht. Bereits in der Nacht waren die Anwohner aufgefordert, ihre Autos in Sicherheit zu bringen. Weitere Ortschaften waren komplett überflutet und von der Außenwelt abgeschnitten. 

Die KFB Göttingen hatte gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk (THW) die Aufgabe den bei Bad Salzdetfurth liegenden Ort Klein Düngen zu sichern. Hierbei hatte der Schutz einer zentralen Hebeanlage, sowie stromführenden Einrichtungen des Energieversorgers Vorrang. Es wurden von der Feuerwehr Sandsäcke aus einer Befüllstation in Bad Salzdetfurth geholt und hieraus Dämme an gefährdeten Stellen im Ort gebaut. Parallel hierzu wurden Gräben und Keller ausgepumpt. Das alles bei schwülwarmen Temperaturen und nicht mehr keimfreien Wasser. 

Bemerkenswert war die enorme Hilfsbereitschaft und Nachbarschaftshilfe im Ort. Firmen wie Privatpersonen haben hierbei tatkräftig unterstützt. Fremde Menschen, die nicht unmittelbar vom Hochwasser betroffen waren, hatten sich gemeldet und gefragt, ob sie helfen können oder Verpflegung vorbei bringen sollen. Für die Feuerwehren standen Tabletts mit Kaffee, Wasser und Brötchen vor den Türen. Das war wirklich enorm. Jeder half hier, wo er konnte. 

Aber es gab auch ein anderes, negatives Bild. Leider. Hochwasser-Touristen. „Die haben zu geschaut, wie wir hier abgesoffen sind, aber mit anpacken wollten die nicht.“, so die Aussagen von Anwohnern. Sie haben mit Ihren Autos die Zufahrten blockiert, Einsatzkräfte bei ihrer Arbeit behindert. Mussten mit Ihren Kindern und dem Handy am Ort des Geschehens dabei sein. Oder mussten diskutieren warum Straßen gesperrt sind, der Strom abgeschaltet sei oder das man doch Alles ganz anders machen müsste.  

In dem stark betroffenen Neubaugebiet "Fohlenfeld" konnte erst am Donnerstagnachmittag mit dem Auspumpen der Keller begonnen werden. Bei einigen Häusern musste Restwasser im Haus bleiben, um Schäden durch Auftrieb zu vermeiden. Die Entwässerung von Drainagen war besonders wichtig.

Ebenfalls am Donnerstagnachmittag erreichte eine Ablösung mit 28 "frischen" Einsatzkräften aus dem Landkreis Göttingen das Einsatzgebiet, denn einige der bereits im Einsatz befindlichen Kräfte mussten wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurde die gesamte Pumpleistung des 2. Zuges gebündelt, um eine große Mulde zu entwässern, damit der Wasserdruck von den Häusern genommen werden kann. Parallel dazu wurde ein Sandsackdamm an einem Haus errichtet und mit Leistungspumpen des THW der Wasserspiegel abgesenkt. Durch die Zusammenschaltung der Pumpen wurde die Nacht über eine Förderleistung von 10.000l/min erreicht.    

Die aufgestellte KFB pumpte während der Nacht in Klein Düngens Neubaugebiet  "Fohlenfeld" mehrere Keller leer und wurde am Freitagmittag aus dem Einsatz entlassen.

Nach der Rückkehr in die Heimatstandorte stand eine ausgiebige Nachbereitung der Fahrzeuge und der Ausrüstung an.

Gut das alle Einsatzkräfte gesund in ihre Heimatstandorte zurückgekehrt sind und während des Einsatzes die Lage im Landkreis Göttingen entspannt blieb. 

Nach der Rückkehr bedankte sich Landrat Bernhard Reuter auf dem Schützenplatz in Herzberg persönlich bei allen Einsatzkräften.